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Guter Rat und ein Stück Lebenshilfe auf dem Internet
Artikel geschrieben von Vogelfreund

Mit der richtigen Mailingliste bleibt man nicht mit seinem Anliegen allein.




Wohl dem, der einen Computer mit Internetanschluß hat. Wenn guter Rat teuer ist, dann hilft oft nur noch eins: eine Anfrage in einer Mailingliste. Und die gibt es längst nicht nur für Computerthemen, hier findet beispielsweise auch Hansis Frauchen Hilfe und Zuspruch.

Von Maja Langsdorff




Wieder sind zwei kleine Piepmätze über die Kante gesprungen, die Wellensittichdamen Mini-Fritzchen und Nelli. Es ging alles ganz schnell. Kurz vor ihrem Ende haben sie Blut erbrochen. Der Tierarzt spekuliert, daß kontaminierte Petersilie schuld war. „Der Arzt vermutet Vergiftung“, schreibt die geknickte Vogel“mutter“ Ilse und unterzeichnet mit „traurigen Gruessen“.




Der Brief mit der betrüblichen Nachricht erreicht – übers Internet - in Sekundenschnelle mehr als hundert andere Vogelfreunde in Deutschland und Österreich, und die Reaktionen bleiben nicht aus. Man diskutiert hin und her über die ärztliche Diagnose und andere mögliche Todesursachen, und die meisten kondolieren erst mal zu dem doppelten Verlust, senden Ilse „liebe troestende Gruesse“ und fügen ein paar Kürzel aus dem Internet-Jargon hinzu, wie „“ und einen Smily mit Tränchen :‘-(.




Ilse und die anderen haben sich irgendwann in eine Mailingliste für Vogelfreunde eingetragen, die Vogelmailliste (VML). Diese hat trotz der großen Schar ihrer Teilnehmer noch einen so familiären Charakter, daß viele bei Freud und Leid erst mal den Computer anwerfen und via E-Mail loswerden möchten, was ihnen am Herzen liegt. Hier tauscht man Gedanken und Tips aus, sagt seine Meinung und sucht Adressen. Wer sein Herz an Vögel verloren hat, ob Ara oder Ziegensittich, Kanarienvogel oder Wellensittich, kann hier mitmischen; auch Züchter und Tierärzte sind mit von der Partie.




Mailinglisten sind schriftliche Diskussionsrunden, deren Inhalt nicht vom Anbieter vorgegeben, sondern von denen bestimmt wird, die sich mit ihrer E-Mailadresse in die Liste eingetragen haben. Sie haben damit so etwas wie ein kostenloses elektronisches Abonnement auf E-Mails zu ihrem Thema erworben. Anders als beim „Chatten“ im Internet kommuniziert man nicht „online“, also bei laufendem Gebührenzähler, miteinander.




Man schreibt und liest dann, wenn man Zeit und Lust hat, kann jederzeit Themen einbringen und per E-Mail Kommentare abgeben. Über einen automatischen Verteiler werden die eintreffenden Nachrichten elektronisch an alle Abonnenten der Liste versandt. Es gibt moderierte Listen, bei denen ein Betreuer jede einzelne Nachricht vor dem Versand durchliest, und unmoderierte, in denen die Versendung automatisch erfolgt.




Mehr als 80.000 Mailinglisten finden sich im Internet, jede hat ihr spezielles Thema., und das Spektrum läßt kaum etwas aus, ob man sich nun interessiert für Kunst, Technik, Sport, Medizin, Wissenschaft, orientalische Dichtung oder eben Sittiche und Papageien. Die VML gehört zu den Listen, bei denen meistens ziemlich viel los ist. In „Stoßzeiten laufen schon mal 50 Mails am Tag bei den Abonnenten ein – der Rekord lag bei 160; seit ihrer Gründung vor gut einem Jahr hat sich schon ein Archiv von 30 Megabyte Mails angesammelt. Die Vogelmailliste entwickelte sich aus einem persönlichen Bedürfnis heraus: „Ich wollte eine Plattform haben, auf der sich Vogelliebhaber ohne große Probleme unterhalten können“, sagt der Freisinger Vogelfreund Patrick Enger. Er ist der „Chef “ und Gründer der Liste, 25 Jahre jung. Die VML ist gewissermaßen als fruchtbares Nebenprodukt seiner Homepage (http://vogelfreund.de) entstanden, die schon mit zahlreichen Preisen dekoriert wurde.




Mit Andrea aus Wien, genannt „die Dreli“, Mario aus Chemnitz und Andreas aus Stralsund, drei Wellensittichfans im Alter von damals 29, 23 und 26 Jahren, startete Patrick im September 1997 den Versuch einer Mini-Mailingliste und leitete alle eingehenden Mails von der sich rasch vergrößernden Liste per Hand weiter. Die Wende zur Professionalität kam mit der Mannheimerin Nikki, die sich im Oktober 1997 ihre ersten drei Wellensittiche (von inzwischen sechsen) zulegte und rasch von der kleinen VML erfuhr. Die 30jährige Sozialwissenschaftsstudentin, die bei einem Internetprovider in der Technikabteilung jobbt und „einen Faible für Unix“ hat, bot Patrick Hilfe an: „Ich hatte einfach Mitleid. Naja, ich konnte mir dieses Elend nicht länger mit ansehen, zumal ich die technischen Möglichkeiten hatte, die VML als normale Mailingliste zu realisieren“. Was am 29.11.1997 geschah.




Damit Mailinglisten funktionieren, ist ein Rechner (Server) nötig, der Tag und Nacht läuft, und eine Standleitung. Bei Nikki, die sich um alles Administrative, das Technische, die Software, die Wartung kümmert, steht der Server im Wohnzimmer „und sorgt für eine liebliche Geräuschkulisse“. Ansonsten müsse sie für die VML nicht viel Zeit aufwenden, „das läuft quasi nebenbei“. Gelegentlich baut sie neue Software-Filter ein, die Unerwünschtes aussortieren, etwa Werbung oder Bilder, die zuviel Platz beanspruchen; außerdem muß sie regelmäßig an die Spielregeln erinnern. Denn aus Zeiten, als das Internet noch überwiegend von Wissenschaftlern und Unis genutzt wurde, stammt die Einrichtung eines Knigge, auch „Netiquette“ (von Net(z) und Etiquette) genannt, der technisch und sozial das elektronische Miteinander regelt: Hier erfährt man beispielsweise, wie man beim Antworten die Nachricht des Vorgänger richtig zitiert, und auch, daß Zwischenbescheide („Mail erhalten, antworte später“) und bloße Zustimmung („genau!“, „so isses“, „ich auch! “) ohne inhaltlichen Beitrag nicht erwünscht sind.




Doch seit das Internet immer populärer wird, mischen auch immer mehr Leute mit, die zwar die kostenlosen Angebote wie Maillinglisten nutzen, den Knigge aber ignorieren. Da stöhnt dann Nikki schon mal und wünscht sich, „daß man die Regeln dort respektieren und beachten soll und nicht diese (unentgeltliche) Arbeit mit Füßen tritt, indem man Regeln mißachtet oder Ressourcen überbeansprucht“.




Erschienen in der Stuttgarter Zeitung am 02.03.1999


Copyright: Vogelfreund
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