Das Jahr des Spatzen
Artikel geschrieben von Stephan Börnecke
Naturschützer bevorzugen den Vogel in der Hand, deshalb wird 2002 dem Sperling gewidmet
Er ist nicht der häufigste in Deutschland lebende Vogel, das ist der Buchfink, aber der, über den man am häufigsten "stolpert": der Haussperling.
Sein "dschuip-dschuip" ist allgegenwärtig. Auf 5,3 bis 7,8 Millionen Brutpaare schätzen die Ornithologen seinen Bestand, genauer wissen sie es nicht. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat den Spatz zum Vogel des Jahres 2002 ernannt und will auf seine Gefährdung aufmerksam machen.
Ein Massenvogel auf dem Sprung in die Rote Liste? Noch dazu einer, der anpassungsfähig, also opportunistisch ist, wie kaum ein zweiter? 10 000 Jahre lebten Spatz und Mensch zusammen, nun wird es eng für den Vogel.
Die Wissenschaft selbst ist sich nicht ganz im Klaren darüber, wie stark der Haussperling (und mehr noch sein Vetter, der Feldsperling) bedroht und warum er örtlich bereits verschwunden ist. Denn Ornithologen haben sich wenig um das Leben von "Passer domesticus" gekümmert. Rare Arten, ob Birkhuhn, Brachvogel oder Braunkehlchen, die alle ebenfalls schon Vogel des Jahres waren, sind ständig Forschungsobjekt der Wissenschaft. Der Spatz nicht. "Ich habe noch nie welche kartiert", gesteht Markus Nipkow, Nabu-Vogelschutzreferent, ein.
Bis in die 50er Jahre war der Spatz Bauern lästig, weil er in der Kornkammer stöberte. Man schoss mit Schrot auf ihn. Bis in die 30er Jahre gab es örtlich sogar Fangprämien. Heute hat der Sperling das Image eines netten Stadtgesellen. Doch weil die Häuser immer perfekter werden und keine Nischen mehr haben, auch dichte Efeuwände verpönt sind, geht dem Spatz der Brutplatz verloren. Und die Nahrung wird knapp, weil Böden versiegelt und in Gärten Gifte verspritzt werden.
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Stephan Börnecke ,
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