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Kommentare zum Gutachten zur Auslegung von §11b des Tierschutzgesetzes
Artikel geschrieben von Nicky

(von Stefan Becker, Olaf
Hungenberg
und Nicole Müller-Herber)


Endes des Jahres 1999 hat die Sachverständigen Gruppe „Tierschutz
und Heimtierzucht“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft
und Forst seine Beratungen abgeschlossen. Das Gutachten zur Auslegung von
§11b des Tierschutzgesetz (Verbot von Qualzüchtungen) wurde vorgelegt.
Nach wissenschaftlichen Untersuchungen und Gutachten ist der Albinismus
bei Vögel aus der Liste gestrichen worden. Desweiteren wurden folgende
Vorschläge ausgearbeitet

Kanarienvögel:

 



  •  Federhaube



  •  Intensive Gefiederfärbung



  •  Dominant Weiß



  • Es wird empfohlen das Verpaaren von Vögel zu verbieten,
    wo die Verpaarung bei einem Teil der Nachzucht zum Embryonaltot führt
    (Letalfaktor). Es muß durch geeignete Unterbringung dafür gesorgt
    werden, das solche Verpaarungen nicht möglich sind.

    Kommentar: Wird schon immer so gehandhabt (gängige Züchterpraktik,
    Einzelpaarhaltung während der Zucht), zumal es im Interesse des Züchters
    liegt den Letalfaktor zu umgehen. Wird doch hierdurch die Quantität
    an Nachzucht eingeschränkt.




     


  •  Langfiedrigkeit



  • Es wird empfohlen die Zucht dahingehend zu betreiben, das die Sicht
    der Vögel nicht beeinträchtigt ist. Die Standards sind dahingehend
    zu ändern. Weiterhin leiden solche Tiere meistens unter Federbalgzysten.

    Kommentar:  Alle Standards - auch des Norwich - sind bereits
    in Bezug auf eine unbeeinträchtigte Sicht geändert, bis jetzt
    noch nicht  geändert bei Crested/ -bred (wird jedoch unter Mitwirkung
    des Spezial-Crest-Club noch geändert). Die Vermeidung von Federbalgzysten
    liegt bereits seit etlicher Zeit im Interesse der Züchter. Über
    die Beschaffung der Federtextur wird bereits Selektion dahingehend betrieben
    und ausführlich in der Fachliteratur informiert.


     

     





  •  Gebogene Rassen



  • Aufgrund der mangelhaften Befiederung wird der Gibber Italicus als
    ausgesprochen wärmebedürftige und empfindliche Rasse genannt.
    Weiterhin wurden von Schicktanz (1987) Skelettveränderungen festgestellt.
    Weitere Positurkanarienrassen, z. B. Bossu Belge, werden auf Skelettveränderungen
    untersucht.

    Kommentar: Der Standard beim Gibber Italicus wurde bereits, ebenso
    wie der Standard des Giboso espanol, dahingehend geändert, daß
    keine federfreien Partien mehr gefordert werden. Ein darüber hinaus
    gehende mindere Gefiederdichte führt  zwar zu einer höheren
    Wärmebedürftigkeit, was aber letztlich in der Haltung berücksichtigt
    wird und sich somit mit Haltungsbedingungen bei Vögeln aus


    wärmeren Regionen deckt. Die von Schicktanz angeblich festgestellten
    Skelettveränderungen wurden bei neueren Untersuchungen nicht bestätigt. 
    Vielmehr wurde eine ausgeprägte  partielle Muskelbildung festgestellt,
    die bei der Arbeitshaltung – welche ja nur  zeitweise gezeigt wird
    - zum tragen kommt. Desweiteren trifft eine Veränderung  des
    Skelettes  -wie bei allen Haustieren zu beobachten - nicht automatisch
    den   Aspekt einer “Qualzucht”, soweit sich aus dieser Skelettveränderung
    keine gesundheitlichen  Nachteile ergeben.  Gegen gesundheitliche
    Nachteile durch eine mögliche Skelettveränderung  sprechen:
    das Verhalten, die Vitalität, die Lebenserwartung und die Zuchtfreudigkeit
    dieser


    Rassen, welche sich in keinster Weise von anderen Rassen unterscheiden.




     


    •  „Frisierte“ Positurkanarien



    Bei diesen Rassekreisen können Wachstumsanomalien der
    Krallen (Korkenzieherkrallen) auftreten. Das Gutachten sieht Korkenzieherkrallen
    durch unzulässige, tierschutzwidrige Haltebedingungen begünstigt.

    Kommentar: Korkenzieherkrallen werden im Standard nicht mehr gefordert.




     


    •  Rezessiv-Weiß



    Das Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot für rezessiv-weiße
    Kanarien, da nach einer Untersuchung von Dorrestein und Schrijver (1982)
    eine genetisch bedingte Störung des Vitamin A Stoffwechsels vorliegt.
    Diese Vögel können Carotinoide nicht, und reines Vitamin A nur
    bedingt resorbieren.

    Kommentar:  Die Haltung und Zucht ist von erfahrenen Züchtern
    kein Problem, da ihnen die entsprechende Anforderung an die Nahrung bekannt 
    ist, und sie die Vögel dementsprechend füttern können. Der
    BNA  hat Vorgeschlagen auf die Aussprechung eines Zuchtverbotes zu
    verzichten, sondern von Züchtern dieses Farbschlags einen Sachkundenachweis
    erbringen zu lassen. Es gibt bei Deutschen Züchtern laut Austellungsstatistik
    11.000 bis 15.000 Rez. Weiße Vögel, rechnet man eine Lebenserwartung
    von 6 bis 9 Jahre  ein, so ergibt das einen Gesamtbestand von ca.
    100.000 rez.-weiße Kanarien, und dies spricht dagegen daß der
    rez.-weiße Vogel ein Problemvogel ist. Des


    weiteren schlägt der BNA vor, diese Vögel nicht mehr in
    Zoofachgeschäften zu verkaufen, um sicherzustellen das solche Tiere
    nur von Züchtern gehalten werden, die über die nötigen Erfahrungen
    im Umgang mit den Tieren besitzen.








    Wellensittiche:

     

     


    •  Federhaube



    Ziswiler (1963) hat bei wissenschaftlichen Untersuchungen an
    Haubenwellensittichen diverse Defekte wie Letalität, Muskeltremor,
    Gleichgewichts- und Koordinationstörungen festgestellt.

    Kommentar: Wie Ziswiler bereits zwischenzeitlich einräumte,
    war und ist seine Untersuchung nicht repräsentativ für alle Haubenwellensittiche,
    da alle untersuchten Tiere aus starker Inzucht in Folge hervorgingen. Neuere
    Untersuchungen zeigten in keinster Weise negative Auswirkungen,


    wie von Ziswiler beschrieben, wodurch sich kein Handlungsbedarf
    im Sinne des §11b Tierschutzgesetz ergibt.




     


    •  „Schau- Wellensittiche“



    Das Gutachten empfiehlt die Vermeidung von Übertypisierungen,
    mit besonderem Augenmerk auf eine uneingeschränkte Sichtfreiheit,
    sowie Zuchtverbot für Tiere, die den in Standards festgelegten Grenzwert
    überschreiten.

    Kommentar:  Standard wurde geändert, die „Länge“ des
    Vogels ist herabgesetzt worden. Da für die Körperlänge hauptsächlich
    überlanges Gefieder verantwortlich ist, so wird sichergestellt, das
    die Sichtfreiheit der Wellensittiche nicht beeinträchtigt ist.




     


    •  Feather-Duster



    Das Gutachten empfiehlt die Überwachung der Zuchtpopulationen,
    weiterhin müssen Elterntiere, bei deren Nachzucht „Feather-Duster“
    aufgetreten sind, aus der Zucht genommen werden.

    Kommentar: Die Vermeidung von Feather-Duster liegt bereits seit etlicher
    Zeit im Interesse der Züchter. Es wird bereits Selektion dahingehend
    betrieben und die Verpaarungen bei Auftreten von Feather-Duster umgestellt.








    Nymphensittiche:

     

     


    •  Rezessiv-Silber



    Nach Radtke (1989) sind für Rezessiv-Silber Nymphensittiche
    erhebliche Sehschwächen bis zur Erblindung beschrieben.

    Kommentar:  Dieser Farbschlag wird nicht aktiv gezüchtet,
    da er nicht als Ausstellungsvogel zugelassen ist. Es kann aber durch den
    vermuteten rezessiven Erbgang zu einzelnen Jungtieren dieses Farbschlags
    kommen. Es soll nur die aktive Zucht dieses Farbschlags verboten werden,
    obgleich die Theorie von einer Sehschwierigkeit  nachgewiesen werden
    sollte.








    Zebrafinken:

     


    •  Federhaube



    •  Dominant Pastell



    •  Wangen



    Es wird empfohlen das Verpaaren von Vögel zu verbieten,
    wo die Verpaarung zum Embryonaltot führt (Letalfaktor). Es muß
    durch geeignete Unterbringung dafür gesorgt werden, das solche Verpaarungen
    nicht möglich sind. Des weiteren wird ein Zuchtverbot für Haubenvögel
    enpfohlen die dadurch sichtbehindert sind

    Kommentar:  Wird schon immer so gehandhabt (gängige Züchterpraktik
    Einzelpaarhaltung während der Zucht). Der Standard wurde angepaßt,
    so das es nicht mehr zu Sichtbehinderungen kommt.








    Japanische Mövchen:

     


    •  Federhaube



    •  Federrosette



    Es wird empfohlen das Verpaaren von Vögel zu verbieten,
    wo die Verpaarung zum Embryonaltot führt (Letalfaktor). Es muß
    durch geeignete Unterbringung dafür gesorgt werden, das solche Verpaarungen
    nicht möglich sind. Des weiteren wird ein Zuchtverbot für Haubenvögel
    enpfohlen die dadurch sichtbehindert sind

    Kommentar: Wird schon immer so gehandhabt (gängige Züchterpraktik
    Einzelpaarhaltung während der Zucht). Der Standard wurde angepaßt,
    so das es nicht mehr zu Sichtbehinderungen kommt.




     


    •  Kombination von Federhaube und Federrosette



    Das Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot, da die züchterrische
    Kombination beider Merkmale zu Flugunfähigkeit führen kann.

    Kommentar: Das Zuchtverbot ist von den Verbänden bereits umgesetzt
    worden




     


    •  Weiße Gefiederfärbung



    Nach Jödicke (1978) stellt das weiße Japanische
    Mövchen keine eigenständige Mutation dar, sondern entsteht durch
    die züchterische Kombination einer dominaten und einer rezessiven
    Scheckungsanlage. Weiterhin können bei diesem Farbschlag erhebliche
    Sehschwächen bis hin zur Erblindung auftreten. Das Gutachten empfiehlt
    die Überwachung der Zuchtpopulation und die wissenschaftliche Überprüfung
    dieser Theorien. Es werden weitere Untersuchungen angestrebt, um zu überprüfen
    ob dieser Farbschlag dem §11b des Tierschutzgesetz unterliegt.

    Über eventuelle Maßnahmen kann erst am Ende der Untersuchen
    entschieden werden.







    Fazit und Schlußbetrachtung:

    Die eigene kritische Analyse der Zuchtverbände – DKB und AZ
    – zu einzelnen Zuchtformen bestätigt bereits die Eigeninitiative im
    Sinne des §11b.   Wesentlich ist aber beim Begriff „Qualzuchten“,
    daß fundierte wissenschaftliche Untersuchungen und nicht nur Gutachtenentwürfe
    durchgeführt werden, welche nicht als Beweislast den Zuchtverbänden
    auferlegt werden sollten.  Vielmehr müßte die Beweislast
    bei der Sachverständigengruppe liegen, was den Grundlagen in einem
    Rechtsstaat entsprechen würde.  Das die Zuchtverbände jedoch
    mit intensiver Beteiligung an laufenden Untersuchungen bereits Eigeninitiative
    und Eigenverantwortung ergriffen haben, spricht für sie und den angeschlossenen
    Mitgliedern als Tierliebhaber.

    Der Umgang mit dem Begriff „Qualzucht“ sollte vorsichtiger geführt
    werden, da hiermit starke Emotionen verbunden sind.  Es kann nicht
    angehen, daß einzelne Rassen aufgrund ihres Erscheinungsbildes in
    die Kritik geraten, obgleich hieraus wohl persönliches „Gefallen“
    oder eben „Nicht-Gefallen“ abgeleitet werden kann, jedoch keineswegs der
    Begriff Qualzucht gerechtfertigt ist.


     





    Begriffserklärungen:

    Featherduster: (engl.: Staubwedel) Zu Featherdustern kommt
    es in Standardwellen-sittichzuchten. Auswirkung ist eine gesteigerte Größenentwicklung,
    Unselbständigkeit, abnormales Federwachstum(erhöhtes Federwachstum),
    Störungen im Muskelbereich, bei den Sinnesorganen und im Nervensystem.
    Die Lebenserwartung beträgt meist nur wenige Wochen.Vermutlich liegt
    bei Featherdustern ein Chromosomendefekt vor.

    Federbalgzysten/LUMPS: Federn welche im Wachstum nicht den
    Federfollikel verlassen, sondern sich innerhalb des Follikels abkapseln
    und unter der Haut als Balg oder Knoten wachsen.  Es besteht eine
    direkte Beziehung zwischen Federtextur und Zystenbildung.

     Letalfaktor: Dominante Mutationen bei denen lediglich
    der einfaktorige Part bekannt ist, wobei der eigentlich zu erwartende reinerbige
    bzw. zweifaktorige Part nicht lebensfähig ist.


    Copyright: Nicky
    Freising, Deutschland
    Homepage: http://www.canary.de

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